Detailinformationen
BISCHOF, Rainer - HAYDN-ahnend für Streichorchester (2008) < zurück
Titel: HAYDN-ahnend für Streichorchester (2008)
Dauer: 18'
Bestellnr.: Aufführungsmaterial leihweise
Beschreibung:
Als Rainer Bischof vom Wiener Kammerorchester den Auftrag erhielt, zum Haydn-Jahr 2009 ein Werk für Streicher zu komponieren, war er zunächst auf der Suche nach einer passenden musikalischen Verbindung. Die befreundete Pianistin Eva Mark-Mülher hat ihn schließlich auf die Klaviersonate D-Dur Hob. XVI:42 aufmerksam gemacht, ein selten gespieltes Kleinod im reichen Schaffen des von Bischof hochverehrten klassischen Meisters. Um das Jahr 1783 entstanden und der Fürstin Marie Esterházy gewidmet, beginnt das Werk mit einem Variationensatz, einem Andante con espressione, dem ein Vivace assai als kontrastierendes Finale folgt. Die spezifische innere Balance, die technisch-formale Ausgewogenheit dieser Sonate erfordert eben nur zwei Sätze – und zeigt zudem im Prinzip der Variation, wenn man so will, eine Zeiten und Stile überbrückende Affinität zur Dodekaphonie. Das eröffnende Andante-Thema hatte es Bischof sogleich angetan: nicht zuletzt durch seine „verzahnte Rhythmik“, wie der Komponist bekennt. In der Tat: Betrachtet man etwa die Struktur der Auftakte, folgen mit einem Sechzehntel, einer Zweiunddreißigsteltriole und vier Zweiunddreißigstel unterschiedliche, immer dringlicher werdende und höher steigende Anläufe aufeinander. Dazu kommen noch diverse expressive Vorhalte und Verzierungen, welche die scheinbar schlichte Melodie anreichern. „HAYDN – ahnend“ nimmt von genau diesem Thema seinen Ausgang: Im klassischen Kompositionsprinzip der durchbrochenen Arbeit für Streichorchester instrumentiert, zitiert Bischof die ersten acht Takte: Obwohl in der Originalgestalt, werden die Bestandteile dadurch bereits isoliert – ein gewichtiger Schritt in Richtung Auflösung, oder besser: Umformung. Außerdem fügt Bischof einen bei Haydn erst später erscheinenden, raschen Tonleiter-Anstieg hinzu: die konsequente Fortführung des vorhin skizzierten Auftakt-Gestus, der hier freilich vorerst im Nichts endet. Oder, wenn man so möchte, als Abschussrampe fungiert, die der Musik den Sprung in die Gegenwart ermöglicht. Denn sogleich erhält das Thema eine neue Gestalt: Bei gleicher Rhythmik wird es in eine zwölftönige Struktur verwandelt. Diese Mutation der Haydnschen Vorlage wird nun zur Grundlage von acht Variationen, deren Reihe in fast gleichmäßigem Wechsel von acht Durchführungen des Themas nach den Regeln der Dodekaphonie unterbrochen wird (nur die 4. und 5. Durchführung folgen im Zentrum des Werks direkt aufeinander). Die Ausdruckspalette ist enorm und lässt, wie immer bei Bischof, extreme Kontraste aufeinander prallen: aggressiven Ausbrüchen folgt geheimnisvolles Raunen, gläserne Ruhe wird von Nervosität abgelöst, schnalzenden Bartók-Pizzicati antworten „dolce espressivo“ leise Kantilenen. Die extremen Ausdrucksbezirke, in welche Bischof damit vordringt, werden jedoch durch die Zwölftontechnik auf formaler Ebene diszipliniert: Wie bei Haydn bedingen und entsprechen einander Form und Inhalt.
Das Werk ist „dem Freunde Dr. Herbert Vogg in Dankbarkeit zugeeignet“, der sich als Doblinger-Verlagsleiter sowohl durch die Herausgabe vieler Werke Joseph Haydns als auch der zeitgenössischen Musik Österreichs große Verdienste erworben hat.