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STERK, Norbert - Adios Adagios für zwei Klarinetten und Streichtrio nach Fragmenten von Wolfgang Amadeus Mozart (2006) < zurück
Titel: Adios Adagios für zwei Klarinetten und Streichtrio nach Fragmenten von Wolfgang Amadeus Mozart (2006)
Dauer: 12'
Bestellnr.: 06 821/PA + ST
Beschreibung:
„Komponieren ist der Versuch, die Stille in mir - und den Lärm - aufleben zu lassen, ihren Farben und Klängen zu trauen - ohne sie in ein Korsett zu zwingen - und sie auf behutsame, vielfältige Weise wahrzunehmen. Die Komposition selbst ist ein sorgfältiges Protokoll dieses langsamen Wahrnehmens und beschreibt einen Prozess des Hörens.“
 
 
In Adios Adagios bestimmen die ersten vier Töne des C- Dur Quartetts KV 465 („Dissonanzenquartett“) nahezu die gesamte harmonische Landschaft. Aus dieser Landschaft bricht Mozarts Musik wie aus tiefer gelegenen Schichten, gleich archeologisch freigelegten fremdartigen Ruinen und exotisch leuchtenden Mosaiken oder wie Erinnerungsfetzen, die aus einem brüchig gewordenen Untergrund hervorquellen...
Adios Adagios ist in drei Teile gegliedert, die ineinander übergehen und wie ein einziger Satz wirken:
Den Anfangsteil nannte ich „ganz Mutter seeliger allein“, so sei Mozart auf seiner Reise nach Wien 1781 angekommen, „müde wie ein Hund“, aber in gespannter Aufbruchsstimmung.
Auf sich allein gestellt, als „freischaffender Künstler“, befreit von den Salzburger Zwängen und der kontrollierenden Gegenwart seines Vaters schuf er die (für mich) aufregendsten Kompositionen seines Lebens. Adios Adagios nimmt ausschließlich Bezug auf Musik dieser Wiener Zeit.
Der erste Teil wurde u.a. inspiriert durch das Hörerlebnis der Violinsonate in F, KV 376, die Mozart im Sommer nach seiner Ankunft komponierte. Direkten Einfluss hatte der Beginn der „Mauerischen Trauermusik“(Adagio).
Im zweiten Teil „Quintetto in a“, Allegro moderato beziehe ich mich v.a. auf die ersten neun Takte eines Streichquintettfragments in a, KV 515c (1791). Mozarts Musik erklingt fast schamlos unverfälscht, der restliche Verlauf dieses Satzes gleicht dem auskomponierten „Schattenwurf“ dieser Mozartruine, der rasch Eigendynamik entwickelt.
(Außerdem finden sich Bruchstücke aus dem Adagio der Klaviersonate in c, KV 457, dem Streichquartett in d, KV 421, dem Streichquintett in C, KV 515 und des langsamen Satzes der Violinsonate in A, KV 526.)
Im letzten Abschnitt „für die sessel tisch und mäüern“, Andante ist Mozarts Streichquintettfragment KV 515a (1791) zu hören, letztlich befreit von jeglicher Verfremdung, Übermalung etc.
Der Titel dieses Teils ist einer Briefstelle Mozarts entnommen. Er beschreibt darin das beleidigende Desinteresse einer Pariser Adelsgesellschaft gegenüber seinem Klavierspiel, er habe „also für die sessel, tisch und mäüern spiellen müsen“.
Ins Positive gekehrt ermöglicht dieses „für die sessel, tisch und mäüern“ musizieren
den Mut, die Leere selbstvergessen mit unerhörten Klängen zu füllen...