Detailinformationen
RÜEGG, Mathias - a little story in blue für Klavier zu vier Händen < zurück
Titel: a little story in blue für Klavier zu vier Händen
Bestellnr.: 01 962
Beschreibung:

Einer der großen Unterschiede zwischen Jazz und Klassik ist die Form, die im Jazz eine große Rolle spielt. Die Periodik ist gleichsam das Innenleben bzw. das notwendige Gerüst für die Improvisation, wobei die meisten Formen auf den Zahlen Acht und Vier basieren. Deswegen haben viele Jazzstandards zweiunddreißig Takte (A/A/B/A), der Blues hingegen meist zwölf, aufgeteilt in drei mal vier Takte. Diese Bluesform findet sich leicht zweckentfremdet in diesem Stück wieder, d. h. die zwölftaktige Periode bleibt (mit Ausnahme von Artifiziell, wo es nur zehn Takte, bezogen auf die Halftime, gibt) bestehen, aber der Inhalt entfernt sich doch relativ stark vom Blues. Es dreht sich um einen Ritt durch alle zwölf Tonarten im Quintenzirkel von G bis D, wobei im letzten Chorus die Reise taktweise noch einmal wiederholt wird, in dem Fall von D nach G. Das ganze Stück basiert auf demselben Tempo, und die Aufteilung für die zwei Spieler entspricht den Funktionen im Jazz: Spieler eins ist der Solist und Spieler zwei die Rhythmusgruppe. Jener ist also verantwortlich für die „Grooves“, z. B. in Fiskalisch, Hypertroph oder Artifiziell, oder die stilisierte Boogie-Woogiefigur in Dionysisch.
A Little Story in Blue könnte man als rhythmische Schulung, einen Puls über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, sehen und eignet sich besonders gut als Schlussstück oder Zugabe.

Allgemeine Spielanleitungen:
Nachdem ich versuche, „klassische“ Musik aus der Perspektive eines Jazzmusikers zu schreiben, sollte Folgendes berücksichtigt werden: Alle rhythmischen Stellen beziehen sich auf den Grundbeat und müssen entsprechend rhythmisch, also ohne irgendwelche „Verzögerungen“ etc. gespielt werden. Die Phrasierung ist im Großen und Ganzen immer die gleiche: Die Bögen markieren die Längen (bzw. die melodischen Abschnitte) der Phrasen und oft auch ihre Akzente, sind aber hier, im Gegensatz zur klassischen Notation  k e i n e  Legatoangaben. Das klassische Staccato kommt eigentlich fast nie vor, es handelt sich also um eine Art Attacca, d. h. die Bläser stoßen die Noten einzeln an, und die Streicher spielen „Alla Corda“ bzw. „Détaché“ und phrasieren jede einzelne Note. Im Jazz würde man die Phrasierung als nicht triolisierte Legatoachtel bezeichnen. Bei den Rubatostellen wird dann normal legato gespielt.

PS: Komponisten (wie ich) liefern Vorschläge und legen keinen großen Wert auf Werktreuefetischismus. Wichtig ist das Erkennen der musikalischen Strukturen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die „richtige“ Interpretation, vor allem, was die Rhythmik betrifft.

mathias rüegg,
Wien, März 2011


Seitenanzahl: 20
ISMN: 979-0-012-20101-4