Detailinformationen
RÜEGG, Mathias - Short developments für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott < zurück
Titel: Short developments für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott
Bestellnr.: 06 523
Beschreibung:

Dieses Holzbläserquintett war ein Auftrag des Schweizer Ensembles Opus Novum, dessen Mitglieder diese Komposition gleich auch noch perfekt eingespielt haben. Es kommt in etwa alles vor, was erweitert gedachte Jazzstrukturen so in sich haben und rhythmisch-virtuose Stellen wechseln sich relativ gleichmäßig mit lyrischen ab. Stilistisch würde ich es irgendwo zwischen Strawinsky und Richie Bairach einordnen. Die schönste Zweckentfremdung widerfuhr dem Stück, als es in den 90er Jahren in einem Meinl-Werbespot auftauchte, in dem der gefürchtete deutsche Burgtheaterdirektor Claus Peymann Kaffee trank und Wien lobte, zwei echte Gegensätze (Peymann und „Wien loben“), durchs Kaffeehaus aufgehoben. Ein Sinnbild für diese Stadt, deren vorrangiges Bemühen „Wien ist anders“ lautet. Zumindest stimmt das insofern, als diese Stadt quasi als Familienunternehmen einer Partei geführt wird. Und das kann man so oder so interpretieren, je nach Blickwinkel oder Familienzugehörigkeit. Und obwohl Wien „anders“ ist, lebe ich trotzdem seit 1977 gerne in dieser Stadt, in der zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein nicht unwesentlicher Teil der Moderne geboren wurde, deren Spuren einem auf Schritt und Tritt begegnen. Und ich habe es selber miterleben dürfen, wie die Stadt Ende der 70er Jahre aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen begann und sich seither von einem muffigen Pensionistenheim zu einer lebensfrohen, jung wirkenden Metropole entwickelt hat. Kurze, aber wirkungsvolle Entwicklungen.

Hörproben

Allgemeine Spielanleitungen:
Nachdem ich versuche, „klassische“ Musik aus der Perspektive eines Jazzmusikers zu schreiben, sollte Folgendes berücksichtigt werden: Alle rhythmischen Stellen beziehen sich auf den Grundbeat und müssen entsprechend rhythmisch, also ohne irgendwelche „Verzögerungen“ etc. gespielt werden. Die Phrasierung ist im Großen und Ganzen immer die gleiche: Die Bögen markieren die Längen (bzw. die melodischen Abschnitte) der Phrasen und oft auch ihre Akzente, sind aber hier, im Gegensatz zur klassischen Notation  k e i n e  Legatoangaben. Das klassische Staccato kommt eigentlich fast nie vor, es handelt sich also um eine Art Attacca, d. h. die Bläser stoßen die Noten einzeln an, und die Streicher spielen „Alla Corda“ bzw. „Détaché“ und phrasieren jede einzelne Note. Im Jazz würde man die Phrasierung als nicht triolisierte Legatoachtel bezeichnen. Bei den Rubatostellen wird dann normal legato gespielt.

PS: Komponisten (wie ich) liefern Vorschläge und legen keinen großen Wert auf Werktreuefetischismus. Wichtig ist das Erkennen der musikalischen Strukturen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die „richtige“ Interpretation, vor allem, was die Rhythmik betrifft.

mathias rüegg,
Wien, März 2011
 


Seitenanzahl: 16+20
ISMN: 979-0-012-20107-6