Detailinformationen
PAWOLLEK, Roman - Streichquartett (2008) < zurück
Titel: Streichquartett (2008)
Dauer: 12'
Bestellnr.: 36 110
Inhalt:

Preis- und Bestellinfos


Beschreibung:

Wenn wir ein Objekt eine Zeit lang betrachten, glauben wir bald zu wissen, worum es sich handelt. Doch wenn wir unseren Blickwinkel verändern, wird uns schnell klar, dass wir nicht viel gesehen haben. Erst wenn wir es eingehend betrachten, also die Perspektive mehrmals wechseln, die Entfernung verändern, den Blickwinkel, wie mit einer imaginären Kamera fokussieren, verkleinern, vergrößern, usw. -erst dann kommen wir dem wahren Wesen dieses Objekts etwas näher.

Vielleicht ist unser Leben auch so ein Objekt?

Ein einfacher Ton mit seiner Obertonstruktur jedenfalls ist so ein Objekt. Aus dem Wechselspiel der virtuellen "Kamera Einstellungen" entsteht die Harmonik meines ersten Streichquartetts. Wir hören also am Anfang das g2. Es sagt:"Ich bin der Grundton!". Dann kommt das a2 hinzu und sagt:"Bist du sicher? Ich kann auch der Grundton sein!" Nach einer Weile „Dialog“ kommen die beiden Töne zusammen und das „c“ wird zu neuem Grundton, während die beiden mit dem Obertonklang von „c“ verschmelzen. Dieses Spiel wird fortgesetzt und wir hören immer wieder die Etablierung und Hinterfragung von Tönen, bzw. Tonräumen. Am Ende stellen wir staunend fest, dass sie irgendwie alle einem gemeinsamen Ursprung entstammen und wir werden dieses Objekt doch nie ganz durchschauen.
Die leeren Saiten, sowie ihre natürlichen Flageolett Töne bilden das Ausgangsmaterial für dieses Stück. Daraus entspringt die „Tonalität“, oder besser gesagt die „Obertonalität“ des Stückes. Darüberhinaus gibt es eine Schicht, die das Quartett fünfteilt. Sie steht für die seelisch-emotionalen Zustände, die sich zwischen den beiden Polen: Liebe und Angst bewegen. So folgen dem leicht fließenden ersten Teil:"Traum" statisch-stockende "Zweifel", die in motorischer, scheinbar nicht vom-Fleck-kommender "Wut"  ausbrechen. Schließlich bringen uns diese Erfahrungen nach dem zu innehalten einladenden „Gesang“ eine "Erkenntnis", die das Quartett in einem "Oberton Reigen" ausklingen lässt.
Roman Pawollek